Der digitale Assistent

Seit ein paar Jahren schon benutze ich einen „Personal Digital Assistant“ (PDA), um einen papiernen Terminplaner zu ersetzen und meine Termine und Kontakte zu verwalten. Unterbrochen durch einen kurzen Ausflug in die Blackberry-Welt kommen zuletzt Geräte der Xda-Serie von o2 zum Einsatz, die auch Handyfunktionen bieten und mir die doppelte Pflege von Telefonnummern ersparen.
Ich möchte vorab darauf hinweisen, dass ein Xda nicht ohne weiteres mit einem „gewöhnlichen“ Handy vergleichbar ist – Hauptschwachpunkt: Windows Mobile 6 ist vergleichsweise träge und instabil. Ein Bootvorgang dauert bei mir etwa Minute bis zur Eingabe der PIN, und ich muss derzeit ein- bis zweimal in der Woche neu starten, weil das Gerät abgestürzt oder der Akku leer gelaufen ist. Auch das Bedienkonzept weicht stark von einer Handybedienung ab. Ich rate daher nur eingeschränkt dazu, ein WinMo 6-Gerät in Erwägung zu ziehen: entweder man hat schon reichlich Erfahrung mit Windows-PDAs und möchte ein hochintegriertes Gerät, oder man ist mit dem Funktionsumfang der einfacher zu bedienenden Smartphones wie SonyEricssons P1, Nokias N95 oder Apples iPhone nicht zufrieden und nimmt dafür obige Nachteile in Kauf. Man muss einfach wissen und akzeptieren, worauf man sich da einlässt.
Kurz: ich empfehle Smartphone-Einsteigern ohne Windows-PDA-Erfahrung, sich andere Geräte anzuschauen, insbesondere das neue iPhone, das mich von der Bedienoberfläche her beeindruckt.
So, das als Disclaimer vorab – nicht dass jemand noch auf die Idee kommt, er könne damit sein Nokia 3310 ablösen… das gibt böse Überraschungen!

Seit Anfang des Jahres besitze ich also das o2 Xda-Modell „orbit 2„, das beim eigentlichen Hersteller HTC in anderer Gehäuseform, ohne Branding und mit weniger Zubehör „Touch Cruise“ genannt wird, wohl weil es sowohl eine Fingerbedienung unterstützt, als auch einen GPS-Empfänger integriert und die Navigationssoftware TomTom beiliegt. Zum Prahlen taugte der PDA vor dem Erscheinen des 3G iPhone wegen der vielen unterstützten Schnittstellen und Standards, auf die Apple-Besitzer der ersten Generation teilweise noch verzichten mussten: Quad-Band GSM, GPRS, EDGE, UMTS mit HSDPA, WLAN 802.11b/g, Bluetooth 2.0 mit A2DP, GPS, USB 2.0, microSDHC, 3MP Kamera plus zweite VGA-Kamera für Videotelefonie, UKW-Radio, und natürlich auch eine große Palette an unterstützten Medienformaten wie MP3, AAC, M4A, WMA, MIDI, MPEG-4, 3GP und H.263 (Liste leicht erweiterbar über Zusatztreiber). Dank des über die Jahre sehr etablierten Betriebsystems Windows Mobile (WinMo) gibt es eine Unmenge an Programmen, die diese Features auf verschiedenste Art und Weise kombinieren und bei mir immer wieder Erstaunen und Entzücken hervorrufen. Zur Veranschaulichung der Bandbreite hier ein paar persönliche Highlights:

  • TomTom (liegt bei): die Autonavigationssoftware führt mit Kartenansicht und Sprachanweisungen durch den Asphaltdschungel, was angesichts der verbreiteten Navigeräte nichts besonderes mehr ist. Ich erwähne sie hier, weil ich als Zielort einfach einen Eintrag aus meinem sowieso gepflegten Adressbuch angeben kann – einer der Vorteile eines All-In-One-Geräts.
  • phoneAlarm (kostenpflichtig): Ein Tool zur Verwaltung der verschiedenen Alarmierungen bei Anruf, SMS, E-Mail, geringem Ladezustand etc. Es sind eine Vielzahl an Profilen möglich, zwischen denen man manuell – aber auch automatisch, z.B. zu bestimmten Uhrzeiten, während im Kalender eingetragenen Besprechungen oder bei Aufenthalt an bestimmten Orten – wechseln kann.
  • run.GPS (kostenpflichtig): Macht aus dem PDA einen Begleiter für Sportler, der zurückgelegte Strecken mitprotokolliert und mithilfe von Google Earth und Google Maps Analysen möglich macht. Man kann auch Trainingspläne erstellen, die für entsprechende Kalendereinträge sorgen. Und nicht zuletzt dient das Programm auch als Navigationsgerät für Routen aus den verschiedenen Wander-, Sportler-Communities wie beispielsweise GPSies.com.
  • Google Maps (Freeware): Wer zu Fuß unterwegs ist, kann sich mit Google Maps besser orientieren als mit Autonavigationssoftware wie TomTom. Zur Installation auf dem PDA die URL http://www.google.com/gmm aufrufen.
  • ScummVM (Open Source Freeware): Ein Emulator, mit dem man die Adventure-Klassiker von LucasArts wie Monkey Island spielen kann.
  • AiroMap (Freeware): Ein WLAN-Tool, mit dem man erreichbare Funknetzwerke und deren Verschlüsselung analysieren, sowie die GPS-Koordinaten festhalten kann.

Ein Schmankerl bei den WinMo-PDAs sind außerdem die großen Communities – die größte deutschsprachige dürfte wohl die PPC-Welt sein. Bei den international ausgerichteten XDA-Developers geht es dann so richtig ans Eingemachte: neben tollen Freeware-Tools ist dort ein großer Volkssport, die neueste WinMo-Version aus dem ROM der aktuellsten PDAs herauszutrennen und für die diversen Modelle anzupassen, sowie in die ROM-Pakete gleich die wichtigsten und besten Anwendungen zu integrieren. Auf diese Weise komme ich bereits in den Genuss des Betriebssystems WinMo 6.1, das mit dem HTC Touch Diamond ausgeliefert wurde, dem neuesten Streich des meiner Meinung nach derzeit wichtigsten Apple-Konkurrenten auf dem PDA-Markt. Leider ohne die neue TouchFLO 3D-Oberfläche, die ist wohl mangels Grafiktreiber nicht performant genug auf meinem Gerät.

Mich assistiert der PDA wirklich ständig, ich verwalte meine Termine und Kontakte, telefoniere, lese und schreibe SMS, lese E-Mails, lese meine Lieblings-Blogs (sofern sie vollständige Beiträge im RSS-Feed haben), lese Nachrichten, höre Musik (dank 8GB-Speicherkarte hab ich eine ausreichend große Auswahl dabei), navigiere im Auto und protokolliere meine Trainingsläufe. Mein nächstes Handy wird wieder ein PDA sein, mal sehen, ob ich WinMo treu bleibe…

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3 Responses to “Der digitale Assistent”

  • Andreas Says:

    Hast Du eigentlich mal Fring (http://www.fring.com/) ausprobiert? Das ist ein VoIP/IM-Client, der alle Protokolle unterstützt, die man sich denken kann (sogar Twitter). Wenn ja, wie gut ist die Integration ins Betriebssystem (Telefonbuch etc.)? Kannst Du einen Vergleich zur Symbian-Version ziehen?

  • Felix Says:

    Nein, hab ich bisher noch nicht getestet, mache ich aber gerne mal, ich habe mich bisher noch für keinen IM-Client entscheiden können.

  • HTC Touch HD - more than a Dream | Flycs' World Says:

    […] derzeit für Ende 2009 angekündigten Nachfolgeversion 7 nicht alle ausgeräumt sein werden. Da ich wie schon mal erwähnt ein jahrelanger WinMo-Nutzer bin, habe ich mit den Defiziten leben gelernt. Das Touch HD hat […]

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